Trotz „Idealbedingungen“ scheiterte das Konzept
Die Berliner Universitätsklinik Charité, die Deutsche Rentenversicherung und mehrere Krankenkassen haben ein speziell auf die Bedürfnisse von ME/CFS-Betroffenen ausgelegtes Reha-Programm erprobt. Trotz „Idealbedingungen“ scheiterte das Konzept – doch bis daraus Konsequenzen gezogen werden, dürfte es noch dauern.
AI-Summary:
Die Studie zur speziell entwickelten ME/CFS-Reha in der Klinik Bavaria Kreischa zeigte, dass das Programm trotz „Idealbedingungen“ keinen besseren gesundheitlichen Nutzen brachte als die übliche hausärztliche Betreuung; Verbesserungen einzelner Patient:innen wurden durch Verschlechterungen anderer, vor allem schwerer Betroffener, ausgeglichen. Das Reha-Setting mit Reiseaufwand, Lärm, vielen Reizen und festen Terminen erwies sich für Menschen mit PEM als problematisch, sodass es teils zu Crashs kam, während der wichtigste positive Effekt darin lag, Pacing zu erlernen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen – etwas, das laut Scheibenbogen auch ohne stationäre Reha vermittelt werden kann. Die Deutsche Rentenversicherung will Konsequenzen erst nach Publikation der Daten prüfen, eine Leitlinie erkennt bereits an, dass Patient:innen mit stark eingeschränktem Bell-Score oft nicht rehafähig sind, und die Klinik in Kreischa bietet aktuell keine ME/CFS-Reha außerhalb der Studie mehr an.
Zentrales Zitat:
Wer die Internetseite der Klinik Bavaria im sächsischen Kreischa besucht, muss den Eindruck gewinnen: Ein „ganz besonderes Projekt“ ist richtig gut gelaufen – ein Reha-Angebot, passgenau zugeschnitten auf ME/CFS-Erkrankte.
„Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu unserer Rehabilitationsmaßnahme waren überwiegend sehr positiv“, schreibt die private Einrichtung. „Viele äußerten, dass sie mit den Inhalten der Rehabilitation sehr zufrieden waren und sich endlich verstanden und wahrgenommen fühlten.“ Ein achtminütiges Video über das Projekt überschrieb die Klinik mit dem Titel: „Unser Beitrag zu einer besseren Versorgung der Betroffenen“.
Bei der internationalen ME/CFS-Konferenz in diesem Mai in Berlin war das Fazit allerdings ein ganz anderes. Dort sprach Carmen Scheibenbogen, Immunologin an der Charité und Leiterin jener Studie, die in Kreischa herausfinden sollte, ob eine spezielle ME/CFS-Reha überhaupt möglich ist.
„Die Ergebnisse sind negativ“, fasste sie die noch vorläufigen Daten zusammen.
Man hätte von der Klinik Bavaria gern erfahren, wie die Darstellungen zusammenpassen. Es gibt auch eine Pressestelle, die Journalist:innen kontaktieren können. Doch eine erste Anfrage bleibt ohne Antwort – und eine zweite auch. Wie also verlief das Projekt in Kreischa?